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Donnerstag, 13. Juni 13 um 16:00

Tauchfahrt Mexiko - Tauchen in den Cenoten

VON: REGINA KÜHN

Alles begann mit einem überwältigend schönen Foto. Ich weiß nicht mehr, wo ich es gesehen habe. Ich weiß nur noch, dass ich genau dorthin wollte und bedauert habe, kein Höhlentaucher zu sein. Das Foto zeigte nicht einfach eine Unterwasserhöhle, sondern eine riesige Kathedrale, angefüllt mit Stalaktiten, Stalakmiten und Stalaknaten in verschiedensten Formen und Größen in strahlendes, bläuliches Licht gehüllt, und wären dort keine Taucher zu sehen gewesen, so hätte man das unwirklich klare Wasser auch für reinste Luft halten können.

Auf der Boot 2011 haben Jürgen und ich dann inmitten der bekannten und großen Reiseveranstalter den kleinen, feinen Stand von Cenote Adventures entdeckt. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Im Sommer 2012 entschieden wir uns, für den März 2013 eine Tauchfahrt zu Mexikos Cenoten zu organisieren. Unserem Aufruf, uns nach Mexiko zu begleiten, sind Nicola und Heinrich gefolgt.

Und dann war es so weit: Nach einer Einführung in die Entstehungsgeschichte Yucatans und seiner Cenoten (riesiges Riff hebt sich, leicht löslicher Kalk wird ausgewaschen, verzweigte Höhlensysteme entstehen, Tropfsteine bilden sich, Wasserspiegel steigt und überflutet die Höhlen) wurden wir in die Grundlagen des Höhlentauchens eingewiesen. Die wichtigste Abweichung zum Sporttauchen, so wie wir es sonst betreiben, ist die Drittel-Regel. 1 Drittel, um in die Höhle hinein zu tauchen, 1 Drittel für den Rückweg und 1 Drittel Reserve. Und so lernten wir ein neues Unterwasserzeichen. Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt, bedeutet nicht "noch 2 Dekobier", sondern "ich habe mein 2. Drittel des Gasvorrates begonnen". Getaucht wird hintereinander, alle bleiben dicht zusammen, immer schön auf die Tarierung und den richtigen Flossenschlag (Frogkick) achten, und wenn man nur noch Schlieren und Flimmern vor Augen hat, handelt es sich nicht um einen Tiefenrausch, sondern um die so genannte Halocline, die Grenzschicht von Süß- und Salzwasser. Die unvermeidbare Verwirbelung dieser beiden Wasserarten sorgt dann für die eingetrübte Sicht.

Und jetzt ging es wirklich los. Sollten wir bis dahin noch befürchtet (aber auch irgendwo erwartet) haben, dass ausschließlich der offene Eingangsbereich betaucht und maximal kurz um-die-Ecke in die eigentliche Höhle geschaut wird, so wurden wir angenehm überrascht. Nach einer kurzen Eingewöhnungsrunde und einem Blick in unsere strahlenden Gesichter, die diesen "gib-mir-mehr-davon"-Ausdruck hatten, nickte uns unser Guide freundlich zu und ließ uns in der Folge 34 atemberaubende Tauchgänge in 18 verschiedenen Cenoten erleben.




Jede Cenote, jeder Tauchgang war anders, hatte seine Besonderheiten, seine speziellen Einblicke, Ausblicke und Anforderungen an uns, bezüglich Einstieg, Ausstieg und Tauchprofil. Wir wurden von Formen überrascht, die wir nie zuvor gesehen hatten, seien es Tropfsteine enormer Größe und Anzahl, abenteuerlich ausgewaschene "Wandverkleidungen" oder meterhohe, von der Decke hängende, Tropfsteinglocken. Wir fanden etliche hervorragend erhaltene Fossilien aus der Zeit, in der Yucatan ein lebendes Riff war, in den Höhlenwänden, aber auch Knochen und Gegenstände aus der Zeit danach. Manche Cenoten beherbergten besondere Tiere; Fledermäuse (im trockenen Bereich), ein kleines Salzwasserkrokodil oder blaue Krabben. Wir durchtauchten Schwefelschichten, die unserer Ausrüstung zusetzten, die Sicht auf null reduzierten und sogar durch die Maske unangenehm rochen, erlebten laserstrahlenartige Lichtspiele durch Löcher in der Höhlendecke, durchtauchten strahlende Lichtvorhänge und genossen immer wieder aus den Tiefen der Cenoten faszinierende Ausblicke in den Dschungel. Einige Tauchgänge führten uns in Tiefen bis 40m, andere hatten mehrfach wechselnde Tauchtiefen mit Unterschieden von jeweils über 10m, die auf Dauer eine enorme Beanspruchung für die Ohren darstellten, oder bewegten sich im extremen Flachbereich.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Was mit Tauchern wie uns dort betrieben wird, ist Cavern-Tauchen, wobei ein Guide Pflicht ist und dieser max. 4 Taucher führt. Die Streckenführung ist dabei so, dass im Fall der Fälle max. 60 m bis zur nächsten Möglichkeit aufzutauchen, zurückzulegen sind. Ebenso ist immer ein Schimmer von Licht, das zu einem Ausgang gehört, zu sehen (auch wenn man dazu die Lampe auch schon mal ausschalten muss). Aber gefühlt, handelt es sich um echtes Höhlentauchen vom Feinsten...

Außer in Cenoten zu tauchen haben wir am Traumstand von Akumal schnorchelnd riesige Meeresschildkröten beobachtet, die sich auf einer strandnahen Seegraswiese satt gefressen haben. Und wenn schon Cousteau sagt, die Tauchgründe vor Cozumel gehören zu den schönsten der Welt, so mussten wir das natürlich auch überprüfen. Auf einer Tagestour haben wir bei 2 Tauchgängen die mit ziemlicher Sicherheit größten Langusten der Welt gesehen, einen schlafenden Ammenhai entdeckt und eine enorme Korallenvielfalt bestaunt. Leider liegt das Riffdach auf 10-15m, so dass das Licht schon knapp wurde.

Auch die Kultur ist nicht zu kurz gekommen. Angefangen von den bekannten Stätten wie Chichen Itza und Ek Balam über Tulum bis zu einer kleinen, direkt in Hotelnähe in Playa del Carmen versteckt liegenden Anlage, haben wir uns mit den historischen Bauten der Maya beschäftigt. 

Essen und Trinken
Wenn wir abends nach 2 Tauchgängen hungrig und durstig ins Hotel Luna Sol (nett, überschaubar, mit offener Küche am Pool) kamen, haben wir entweder selbst etwas aus dem, was das Land bietet (und im nahen Markt käuflich erworben werden kann), gezaubert oder haben die diversen kleinen Lokalitäten rund um das Hotel ausprobiert. Unser Liebling: Pollo Asado (Hühnchen vom offenen Grill mit Reis, Tortillas und allerlei scharfen Zutaten) begleitet von gutem mexikanischen Bier und Tequila. Aber bitte nicht der weiße Tequila, den man hier kennt, sondern der um Klassen bessere Reposado oder gar ein Añejo. Und erst Recht keine dubiose Salz-und-Zitrone-Zeremonie.

 

Fazit:
Ein Traum.